Agisoft Metashape ist eines der leistungsstärksten Photogrammetrie-Tools für die Erstellung hochdetaillierter 3D-Modelle aus Fotos. Metashape wird nicht nur in Bereichen wie Vermessung, Archäologie und Kartierung eingesetzt, sondern eignet sich auch hervorragend zum Scannen von Ganzkörpern und Köpfen für Anwendungen wie die Erstellung von 3D-Charakteren, digitalen Avataren, virtueller Produktion, medizinischer Modellierung und Mode. Um professionelle Ergebnisse zu erzielen, muss man jedoch mehr als nur Fotos machen – es erfordert eine sorgfältige Planung, eine korrekte Einrichtung und ein solides Verständnis der besten Praktiken in der Photogrammetrie.
In diesem Leitfaden finden Sie die effektivsten Tipps und Techniken für die Erfassung von Ganzkörper- und Kopfscans mit Agisoft Metashape. Egal, ob Sie Anfänger oder erfahrener 3D-Künstler sind, diese Strategien werden Ihnen helfen, saubere, genaue und hochwertige 3D-Modelle zu erstellen, die Sie in Spielen, VFX, Metaverse-Anwendungen oder im 3D-Druck verwenden können.
Verständnis von Ganzkörper- und Kopfscans in der Photogrammetrie
Die Photogrammetrie stützt sich auf mehrere überlappende Fotos eines Objekts aus verschiedenen Winkeln, um dessen 3D-Geometrie und Textur zu rekonstruieren. Beim Scannen von Menschen – insbesondere des menschlichen Kopfes und Gesichts – sind Genauigkeit und Konsistenz noch wichtiger. Menschliche Haut, Haare und subtile anatomische Merkmale stellen besondere Herausforderungen dar, die eine sorgfältige Planung und präzise Ausführung erfordern.
Agisoft Metashape verarbeitet diese Bilder, um eine dichte Punktwolke, ein Netz und eine Textur zu erzeugen. Die Qualität des endgültigen 3D-Modells hängt von der Qualität der Quellbilder ab und davon, wie gut sie das Motiv abdecken. Daher ist die Aufnahmephase wohl der kritischste Teil des Arbeitsablaufs.
Bei Scans des menschlichen Körpers oder des Gesichts besteht das Ziel darin, so viele Details wie möglich zu erfassen, ohne Bewegungsartefakte, Beleuchtungsinkonsistenzen oder Texturverzerrungen. Im Folgenden finden Sie die besten Methoden, um dies zu erreichen.
Tipp 1: Optimieren Sie Ihre Kameraeinstellung für das Scannen von Menschen
Die Grundlage für eine erfolgreiche Ganzkörper- und Kopfphotogrammetrie ist eine gut durchdachte Kameraausrüstung. Sie können mit einer einzigen Kamera gute Ergebnisse erzielen, aber für Scans in professioneller Qualität empfiehlt sich eine Ausrüstung mit mehreren Kameras.
Multi-Kamera-Arrays
Die Verwendung mehrerer synchronisierter Kameras stellt sicher, dass alle Bilder zum exakt gleichen Zeitpunkt aufgenommen werden, wodurch Bewegungsunschärfen und Probleme mit der Bewegung des Objekts vermieden werden. Dies ist besonders wichtig, wenn Sie Menschen scannen, da selbst kleine Bewegungen wie Blinzeln oder Atmen zu Rekonstruktionsfehlern führen können.
Tipps für Multi-Kamera-Setups:
- Verwenden Sie 30-100 Kameras, die in einem vollen 360°-Bogen um die Person herum angeordnet sind, um Ganzkörperscans durchzuführen.
- Für Kopfscans sind 20-40 Kameras, die auf den Oberkörper und das Gesicht gerichtet sind, normalerweise ausreichend.
- Synchronisieren Sie alle Kameras mit einem Triggersystem, um Bilder gleichzeitig aufzunehmen.
Ein-Kamera-Ansatz
Wenn Sie eine einzelne Kamera verwenden, weisen Sie das Motiv an, ganz still zu stehen, während Sie sich um es herum bewegen. Nehmen Sie die Bilder in regelmäßigen Winkelintervallen (alle 10-15 Grad) auf und achten Sie darauf, dass sich die Aufnahmen zu etwa 70-80% überlappen. Diese Methode ist langsamer, aber immer noch effektiv für kleinere Projekte oder mobile Scanning-Einrichtungen.
Tipp 2: Steuern Sie die Beleuchtung für konsistente Ergebnisse
Die Beleuchtung ist einer der wichtigsten Faktoren in der Photogrammetrie, insbesondere beim Scannen von Haut- und Gesichtsdetails. Ungleichmäßige Beleuchtung kann zu Texturverzerrungen, Schatten oder überbelichteten Bereichen führen, die die Qualität des endgültigen Modells beeinträchtigen.
Verwenden Sie eine weiche, gleichmäßige Beleuchtung
Diffuses Licht aus mehreren Quellen minimiert harte Schatten und spiegelnde Highlights. Softboxen, LED-Panels mit Diffusoren oder Lichtzelte sind eine ausgezeichnete Wahl. Das Ziel ist eine gleichmäßige Ausleuchtung des gesamten Motivs.
Zusätzliche Tipps zur Beleuchtung:
- Vermeiden Sie direktes Blitzlicht oder starkes gerichtetes Licht, das Details verwischen kann.
- Achten Sie auf eine einheitliche Farbtemperatur bei allen Lampen, um Farbverschiebungen bei der Textur zu vermeiden.
- Erwägen Sie den Einsatz einer 360°-Lichtkuppel für eine perfekt gleichmäßige Beleuchtung in Studioumgebungen.
Tipp 3: Richtiges Positionieren des Motivs
Wie Sie Ihre Testperson während des Scannens positionieren, hat einen direkten Einfluss auf die Genauigkeit Ihrer 3D-Rekonstruktion. Stabilität und eine gleichmäßige Körperhaltung sind unerlässlich.
- Bitten Sie die Testperson, ganz natürlich zu stehen und die Arme leicht vom Körper wegzunehmen, um eine Verdeckung zu vermeiden.
- Verwenden Sie für Kopfscans eine Kopfstütze oder einen Stabilisator, um Mikrobewegungen zu minimieren.
- Achten Sie darauf, dass die Person einen neutralen Gesichtsausdruck beibehält – Veränderungen im Gesicht zwischen den Aufnahmen können Rekonstruktionsfehler verursachen.
Bei Ganzkörperscans hilft das Anbringen von Markierungen oder Fußabdrücken auf dem Boden der Versuchsperson, während des gesamten Aufnahmevorgangs in der richtigen Position zu bleiben.
Tipp 4: Nehmen Sie Bilder mit der richtigen Auflösung und Überlappung auf
Die Bildqualität bestimmt direkt die Details der Rekonstruktion. Verwenden Sie für professionelle Ergebnisse eine Kamera mit mindestens 20 Megapixeln und nehmen Sie möglichst im RAW-Format auf, um Farb- und Detailinformationen zu erhalten.
Bei der Aufnahme von Bildern:
- Halten Sie eine Überlappung von 70-80% zwischen benachbarten Aufnahmen ein, um einen zuverlässigen Abgleich der Merkmale zu gewährleisten.
- Erfassen Sie das Motiv aus allen Blickwinkeln – auch von oben und von unten – um zu vermeiden, dass Sie die Geometrie übersehen.
- Achten Sie besonders auf komplexe Bereiche wie die Ohren, die Kieferpartie, unter dem Kinn und zwischen Armen und Rumpf.
Machen Sie beim Scannen des Gesichts zusätzliche Nahaufnahmen des Gesichts aus mehreren Winkeln. Diese Bilder helfen, feine Details wie Hautporen, Falten und Augenkonturen zu erfassen.
Tipp 5: Berücksichtigen Sie Kleidung, Haare und Accessoires
Einige Materialien und Texturen stellen eine Herausforderung für die Photogrammetrie dar. Glänzende Stoffe, transparente Materialien und lose Haare lassen sich nur schwer genau rekonstruieren.
Bewährte Praktiken:
- Verwenden Sie matte Kleidung und vermeiden Sie reflektierende Materialien, um das Rauschen in der Punktwolke zu reduzieren.
- Binden Sie langes Haar zurück oder verwenden Sie eine neutrale Mütze, um Bewegungen und Verstopfungen zu minimieren.
- Nehmen Sie Brillen oder spiegelnde Accessoires ab, die den Abgleich der Merkmale stören könnten.
Wenn Sie nach digitalen Menschen oder Avataren scannen, hilft neutrale, gut sitzende Kleidung bei der Erfassung der genauen Körpergeometrie ohne zusätzliche Artefakte.
Tipp 6: Kameras kalibrieren und Marker verwenden
Eine genaue Kamerakalibrierung ist für hochpräzises Scannen unerlässlich. In Metashape kann die Kalibrierung automatisch durchgeführt werden, aber für beste Ergebnisse – insbesondere in kontrollierten Studioumgebungen – können Sie vor der Aufnahme eine Kalibriertafel verwenden.
Die Verwendung von kodierten Markierungen auf dem Boden oder um das Motiv herum hilft Metashape außerdem, Bilder genauer auszurichten, insbesondere bei komplexer Geometrie wie Gliedmaßen und Gelenken.
Tipp 7: Optimieren Sie den Metashape Workflow für menschliche Scans
Sobald Sie Ihre Bilder aufgenommen haben, erfordert der Verarbeitungsprozess in Metashape einige besondere Überlegungen für Ganzkörper- und Kopfscans:
1. Fotos sorgfältig ausrichten
Verwenden Sie Hohe Genauigkeit und erhöhen Sie den Grenzwert für Schlüsselpunkte, um die Erkennung von Merkmalen zu verbessern, insbesondere von Haut und subtilen Gesichtsmerkmalen.
2. Bereinigen Sie die dichte Punktwolke
Entfernen Sie Ausreißer oder Hintergrundpunkte manuell, bevor Sie die dichte Wolke erstellen. Dies gewährleistet eine saubere Geometrie und reduziert die Verarbeitungszeit.
3. Erstellen Sie ein hochwertiges Netz
Wenn Sie das Mesh aus den Tiefenkarten generieren, wählen Sie die Qualitätseinstellungen Hoch oder Ultrahoch, wenn Ihre Hardware dies zulässt. Dadurch bleiben kleine anatomische Details erhalten, die für realistische Ergebnisse wichtig sind.
4. Textur mit hochauflösenden Karten
Verwenden Sie eine Texturauflösung von 8K oder höher für detaillierte Hautmerkmale. Erwägen Sie die Verwendung des Mosaiküberblendungsmodus für eine genauere Texturrekonstruktion.
Bonus-Tipp: Nachbearbeitung für professionelle Ergebnisse
Metashape erzeugt zwar hochpräzise Modelle, aber die Nachbearbeitung kann die Ergebnisse noch verbessern. Exportieren Sie Ihr Modell in eine Software wie Blender, ZBrush oder RealityCapture, um es weiter zu verfeinern, zu retopologisieren oder mit Texturen zu versehen. Für die Verwendung in der Produktion von Spielen oder VFX können Sie auch eine Low-Poly-Version mit gebackenen Normal Maps erstellen.
Fazit: Erfassen Sie menschliche Details mit Zuversicht
Die Erfassung von hochwertigen Ganzkörper- und Kopfscans in Agisoft Metashape ist eine Mischung aus Kunst und Wissenschaft. Mit sorgfältiger Planung, kontrollierter Beleuchtung, präziser Kameraeinstellung und Aufmerksamkeit für die Positionierung des Motivs können Sie unglaublich detaillierte und realistische 3D-Menschenmodelle erstellen, die für jede Anwendung geeignet sind – von digitalen Avataren bis hin zu visuellen Effekten und darüber hinaus.
Die Beherrschung dieser Tipps wird nicht nur die Qualität Ihrer Scans verbessern, sondern auch die Bearbeitungszeit und den Aufwand für die Nachbearbeitung reduzieren. Da die Nachfrage nach realistischen 3D-Menschen in allen Branchen steigt, verschafft Ihnen die Verfeinerung Ihrer Photogrammetrie-Fähigkeiten einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.


